Im Jahr 2025 nannten 69 % der Hersteller von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakerzeugnissen in der EU, die künstliche Intelligenz (KI) erwogen hatten, sie aber nicht nutzten, fehlendes Fachwissen als Grund. Das zeigt die Eurostat-Erhebung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Unternehmen. Zwei Jahre zuvor lag der Anteil bei 78 %. Im selben Zeitraum sank der Anteil derer, die die Kosten anführten, von 55 % auf 41 %, während der Anteil derer, die unklare Rechtsfolgen nannten, von 38 % auf 44 % stieg. Ein am 14. Oktober veröffentlichter Policy Brief der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der Europäischen Kommission stellt dasselbe Muster in den zehn untersuchten Sektoren fest und bezeichnet fehlendes Fachwissen als wichtigste Hürde für eine weitere Verbreitung von KI.
Die meisten Lebensmittelhersteller ohne KI haben sie nie in Betracht gezogen
Von den Herstellern von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakerzeugnissen, die 2025 keine KI nutzten, hatten sie 11,6 % schon einmal in Betracht gezogen, gegenüber 5,4 % im Jahr 2023. Die in der Erhebung genannten Gründe stammen also von etwa jedem neunten Unternehmen ohne KI. Im Durchschnitt aller Unternehmen in der EU lag der Anteil bei 14,2 %, und er steigt mit der Unternehmensgröße, von 12,7 % bei kleinen bis 36,5 % bei großen Unternehmen. Die Erhebung erfasst Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten und lässt die Landwirtschaft außen vor. Sie liefert daher keine Angaben zu landwirtschaftlichen Betrieben oder zu Kleinstunternehmen der Lebensmittelbranche.
Kosten und Daten bereiten weniger Sorgen als 2023
Unter den Lebensmittelherstellern, die KI erwogen haben, sank der Anteil derer, die die Kosten für zu hoch hielten, von 55 % im Jahr 2023 auf 41 % im Jahr 2025. Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit oder Qualität der Daten nannten 42 % statt 51 %, Inkompatibilität mit vorhandenen Geräten, Software oder Systemen 44 % statt 50 %. Die JRC beobachtet dieselbe Entwicklung in fast allen strategischen Sektoren und sieht darin ein Zeichen dafür, dass KI erschwinglicher, leichter zugänglich und leichter in bestehende Systeme einzubinden geworden ist. Nach ihrer eigenen Messung ging fehlendes Fachwissen als Hürde im Agrar- und Lebensmittelsektor um 8,2 Prozentpunkte zurück, so stark wie in keinem anderen der zehn Sektoren.

Gründe gegen KI bei EU-Herstellern von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakerzeugnissen, die KI erwogen haben, 2023 und 2025. Quelle: Eurostat.
Die Anteile beziehen sich nur auf Unternehmen, die KI erwogen haben, eine Gruppe, deren Anteil an den Unternehmen ohne KI sich im selben Zeitraum mehr als verdoppelt hat. Sinkt der Anteil der Unternehmen, die einen Grund nennen, wiegt dieser Grund innerhalb der Gruppe weniger schwer. Wie die JRC betont, heißt das aber nicht zwingend, dass weniger Unternehmen davon betroffen sind.
Rechtliche Unsicherheit und Datenschutzbedenken nehmen zu
Im Jahr 2025 nannten 44 % der Lebensmittelhersteller, die KI erwogen hatten, unklare Rechtsfolgen des KI-Einsatzes als Grund, nach 38 % im Jahr 2023. Bedenken wegen möglicher Verstöße gegen Datenschutzvorschriften nannten 40 %, nach 32 % im Jahr 2023. Beide Werte liegen weiterhin unter dem Durchschnitt aller Unternehmen in der EU von 54 beziehungsweise 53 %. Über alle strategischen Sektoren hinweg stellte die JRC fest, dass die regulatorische Unsicherheit zwischen 2023 und 2025 stärker zunahm als jede andere Hürde. In ihrem Policy Brief fordert sie Pilotprojekte und Erprobungen unter realen Bedingungen, die den Unternehmen Rechtsklarheit verschaffen sollen.
Die KI-Regeln der EU haben sich seit der Erhebung von 2025 geändert. Die am 8. Juli 2026 erlassene Verordnung (EU) 2026/1744, die Digital-Omnibus-Verordnung zur KI, hat die Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme je nach Kategorie auf den 2. Dezember 2027 oder den 2. August 2028 verschoben. Zugleich gibt sie den Mitgliedstaaten bis zum 2. August 2027 Zeit, mindestens ein KI-Reallabor in Betrieb zu nehmen, also einen Rahmen, in dem KI-Systeme unter behördlicher Aufsicht erprobt werden können. Seit Oktober 2025 beantwortet zudem der Servicedesk der Kommission zur KI-Verordnung (AI Act Service Desk) Fragen von Unternehmen und bietet ein Werkzeug, mit dem ein Unternehmen prüfen kann, ob die Verordnung ihm Pflichten auferlegt.
Großhändler sorgen sich stärker um den Datenschutz als Lebensmittelhersteller
Eurostat weist den Lebensmittelgroßhandel nicht gesondert aus, die Zahlen für den Großhandel insgesamt geben aber ein Bild der Handelsstufe der Kette. Im Jahr 2025 nutzten 23 % der Großhändler KI, gegenüber 12 % der Hersteller von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakerzeugnissen, und 19 % der Großhändler ohne KI hatten sie in Betracht gezogen. Von diesen nannten 73 % fehlendes Fachwissen, 54 % Datenschutzbedenken und 53 % unklare Rechtsfolgen. Schwierigkeiten mit den Daten lagen mit 47 % vor den Kosten mit 39 %.

Gründe gegen KI im Jahr 2025 bei Lebensmittelherstellern, Großhändlern und allen Unternehmen in der EU, die KI erwogen haben. Quelle: Eurostat.

In einer JRC-Erhebung unter 1444 Betrieben waren hohe Kosten die häufigste Hürde für digitale Technologien, genannt von 53 % der Landwirte
Für Landwirte stehen die Kosten vor fehlendem Wissen
Landwirtschaftliche Betriebe fallen nicht unter die Eurostat-Erhebung. Am ehesten vergleichbar sind die Daten einer JRC-Erhebung unter 1444 Betrieben in neun Mitgliedstaaten, darunter Griechenland, Spanien und Italien. Sie wurde zwischen Juni und Oktober 2024 durchgeführt und betrifft digitale Technologien allgemein, nicht nur KI. Hohe Kosten waren die häufigste Hürde und wurden von 53 % der Landwirte genannt, gefolgt von fehlendem Wissen über verfügbare Technologien (37 %), fehlender staatlicher Unterstützung (34 %) und fehlenden IT-Kenntnissen im Betrieb (32 %). Nur 9 % nannten den Datenschutz als Hürde für die Einführung, doch unter den Landwirten, die Daten elektronisch weitergeben, sorgen sich 66 % um Datenschutz und Sicherheit, 47 % darum, wie die Daten verwendet werden, und 37 % darum, wem sie gehören. Die Autoren betonen, dass die Stichprobe nicht für die gesamte EU repräsentativ ist. Weil KI auf der Nutzung großer Datenmengen beruht, müssen ihnen zufolge Bedenken zu Sicherheit, Eigentum und Kontrolle der Daten ausgeräumt werden, damit Betriebe KI einführen.
Seit dem 12. September 2025 gibt die EU-Datenverordnung (Data Act) Nutzern vernetzter Produkte und Maschinen, Landwirte eingeschlossen, das Recht, kostenlos auf die Daten ihrer Geräte zuzugreifen und sie an Dritte ihrer Wahl weiterzugeben.
Jede Hürde aus der Erhebung lässt sich vor der Einführung von KI prüfen
- Fachwissen: Jemand im Unternehmen muss das Werkzeug bedienen, seine Ergebnisse prüfen und korrigieren. Seit der Änderung vom Juli 2026 fordert die Verordnung über künstliche Intelligenz Betreiber, also Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, dazu auf, Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz ihres Personals zu ergreifen, ohne ein bestimmtes Niveau vorzuschreiben. Kommission und Mitgliedstaaten sollen kleinere Unternehmen dabei unterstützen. Die Europäischen Digitalen Innovationszentren, die zur Hälfte von der EU finanziert werden, bieten Schulungen und die Möglichkeit, digitale Technologien vor einer Investition zu testen.
- Rechtsfolgen: Ein Unternehmen muss wissen, wer für einen Preis einsteht, den ein KI-Werkzeug vorschlägt, oder für eine Buchung, die es vornimmt, und wer sie freigibt, bevor sie einen Kunden oder Lieferanten erreichen. Diese Antworten gehören in den Vertrag mit dem Anbieter des Werkzeugs und in die internen Freigaberegeln des Unternehmens.
- Datenschutz: Zu klären ist, welche Daten das Unternehmen verlassen, wenn Mitarbeitende das Werkzeug nutzen, einschließlich Kunden- und Lieferantendaten, und wo sie verarbeitet werden.
- Daten und Kompatibilität: Ein Werkzeug, das die vorhandenen Datenbestände des Unternehmens nicht lesen und sich nicht mit seinen Systemen verbinden kann, macht mehr Arbeit, als es spart.
- Kosten: Für Lebensmittelhersteller ist dies die Hürde, die seit 2023 am stärksten zurückgegangen ist, was die JRC damit in Verbindung bringt, dass KI erschwinglicher geworden ist.
Quellen
- Eurostat. (2026). Artificial intelligence by NACE Rev. 2 activity (isoc_eb_ain2). Eurostat data browser, letzte Aktualisierung 15. Juni 2026.
- Eurostat. (2026). Artificial intelligence by size class of enterprise (isoc_eb_ai). Eurostat data browser, letzte Aktualisierung 15. Juni 2026.
- Ignaszak, M., Nepelski, D., Stake, J. und André, A.-A. (2026). AI adoption in the European Union. New evidence for Apply AI strategic sectors. Science for Policy Briefs, JRC147371. Europäische Kommission.
- Ignaszak, M., Nepelski, D., Stake, J. und André, A.-A. (2026). Measuring AI adoption in the European Union. Methodology and results for strategic sectors. JRC146753. Europäische Kommission.
- Tur Cardona, J., Ciaian, P., Antonioli, F., Fellmann, T., Rocciola, F. et al. (2025). The state of digitalisation in EU agriculture. Insights from farm surveys. JRC141259. Europäische Kommission.
- Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union. (2026). Verordnung (EU) 2026/1744 zur Änderung der Verordnungen (EU) 2024/1689, (EU) 2018/1139 und (EU) 2023/1230 (Digital-Omnibus-Verordnung zur KI). Amtsblatt der Europäischen Union, Reihe L, 24. Juli 2026.
- Europäische Kommission. (2025). Kommission startet Servicedesk für KI-Gesetze und zentrale Informationsplattform zur Unterstützung der Umsetzung des KI-Gesetzes. Shaping Europe's digital future.
- Europäische Kommission. (o. J.). Datengesetz. Shaping Europe's digital future.
- Europäische Kommission. (o. J.). Europäische digitale Innovationszentren. Shaping Europe's digital future.







