Obwohl der Olivenbaum für die meisten Menschen ein Synonym für den Mittelmeerraum ist, hat er sich in den letzten Jahren in vielen Teilen der Welt stark verbreitet. Wenn jemand die Art und Weise, wie er/sie einen Familienbetrieb bewirtschaftet, verbessern oder den Anbau von Grund auf neu beginnen möchte, gibt es einige häufige Fehler, die er/sie vermeiden sollte.

Die meisten dieser Fehler haben ihre Wurzeln im Mangel an Wissen und an einem organisierten Anbauplan sowie in falschen traditionellen Überzeugungen.

Die 7 häufigsten Fehler im Olivenanbau

  1. Unzureichende Recherche bei der Auswahl der anzubauenden Sorte. Es gibt zwei Schlüsselfaktoren, die ein Erzeuger berücksichtigen sollte, bevor er entscheidet, welche Olivensorte er anbaut. Der erste ist der Standort des Olivenhains. Abgesehen von der Gesamtregion muss der Landwirt auch das örtliche Mikroklima berücksichtigen, das von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein kann. In der Regel kann eine Sorte ihren maximalen Ertrag nur in Olivenhainen mit einem bestimmten Mikroklima erreichen, auch wenn sie in dem betreffenden Gebiet sonst weit verbreitet ist. Der Landwirt muss sich vergewissern, dass die Sorte, die er anbauen möchte, nicht durch lokale Faktoren (z. B. häufige Frühjahrsfröste) beeinträchtigt wird. Zweitens muss der Olivenbauer, im Voraus entscheiden welche Art von Produkt er erzeugen möchte. Es gibt Sorten, die für Olivenöl geeignet sind, die so genannten Olivenölsorten. Zum anderen gibt es die so genannten Tafelsorten, die vor allem für die Produktion von Speiseoliven verwendet werden. Und schließlich gibt es gemischte Sorten, d.h. Sorten mit doppeltem Verwendungszweck. In jedem Fall muss eine Marktanalyse vorausgehen, um dem Landwirt zu einer informativen Entscheidung zu verhelfen, denn ein möglicher Richtungswechsel im Nachhinein hat oft katastrophale Folgen. Nach persönlichen Recherchen und einem Gespräch mit dem örtlichen Agronomen kann er sich schließlich für eine oder mehrere Sorten entscheiden, die in den kommenden Jahren eine gute Produktion gewährleisten.
  2. Lieferung von nicht zertifiziertem und möglicherweise befallenem Vermehrungsmaterial. Die phytosanitäre Unbedenklichkeit und die Echtheit der verwendeten Setzlinge wird durch spezielle Zertifikate belegt, die der Olivenbauer besitzen muss. Alle Pflanzen müssen mit einem Etikett des Landwirtschaftsministeriums und/oder einer anderen einschlägigen Organisation zertifiziert sein. Man mag es kaum glauben, aber es gibt viele Landwirte, die nicht einmal die genaue Sorte kennen, die sie anbauen. So hat ihnen ein Bekannter oder Freund einmal 500 junge Bäume geschenkt, ohne dass irgendjemand die Herkunft und die ID kannte. Diese Praxis mag in früheren Jahren erlaubt und teilweise unbedenklich gewesen sein, aber heutzutage kann sie sowohl unseren als auch die benachbarten Baumbestände gefährden. Neben all den anderen möglichen Problemen gilt das Bakterium Xylella fastidiosa als der verhängnisvollste Organismus, den nicht zertifiziertes Material beherbergen kann. Infizierte Setzlinge aus einer Baumschule können das Bakterium sehr leicht auf gesunde ausgewachsene Pflanzen in einem Gebiet übertragen. Xylella kann ältere Bäum in kürzester Zeit zerstören. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Setzlinge alle phytosanitären Zertifizierungen haben. Die Herkunftsplantage sollte frei von Krankheiten sein, und auch die für das Wachstum der Bäume verwendeten Substrate sollten getestet und frei von Schädlingen und Krankheiten sein. Die Olivenbauern müssen den Lieferanten selbst besuchen und sich vergewissern, dass er vom Landwirtschaftsministerium (oder einer entsprechenden Organisation) zugelassen ist.
  3. Falsche Pflanzabstände. Jeder Erzeuger möchte selbstverständlich das Beste aus seinem Hain herausholen und den größtmöglichen Ertrag erzielen. Sind jedoch zu viele Bäume auf engem Raum gepflanzt, führt das häufig zu Problemen. Wenn die Bäume über zehn Jahre alt sind, wird das Laub zu dicht und überschattet große Teile der Baumkronen der Nachbarbäume, was die photosynthetische Aktivität der Pflanzen verringert. Darüber hinaus kann das Fehlen einer angemessenen Belüftung ideale Bedingungen für die schnelle Übertragung von Krankheiten schaffen. Daher muss der Landwirt eine Entscheidung treffen, ob er einen dichten Olivenhain anlegen möchte oder nicht. Bei einem dichten Hain sollte er Sorten mit geringerem Wuchs wählen und sie entsprechend beschneiden. Will er jedoch eine bestimmte Olivensorte anbauen, die für solche Anbausysteme nicht geeignet ist, sollte er den Rat eines örtlichen Agronomen befolgen und einen Plan mit größeren Pflanzabständen zwischen den Bäumen erstellen.
  4. Übermäßige und unbedachte Düngung und Bewässerung von jungen Setzlingen. Um die Entwicklung zu beschleunigen und die Zeit zu verkürzen, die ein Baum benötigt, um eine zufriedenstellende Produktion zu erzielen, beginnen einige ungeduldige Olivenbauern, ihre Olivenhaine übermäßig zu bewässern und zu düngen. Obwohl der oberirdische Teil positiv reagiert und ein beeindruckendes Wachstum zeigt, entwickelt sich das Wurzelsystem nicht entsprechend. Dieses unausgewogene Wachstum kann langfristig zu Problemen für die gesamte Physiologie und Leistung des Baumes führen.
  5. Häufig wird der Olivenhain völlig seinem Schicksal überlassen und nur zur Erntezeit besucht. Im Herbst, insbesondere bei feuchtem und regnerischem Wetter, sind sowohl die Pflanze als auch ihr Ertrag gefährdet. Unter diesen Bedingungen können sich Krankheiten wie die Oliven-Anthraknose (Colletotrichum gloeosporioides) schnell ausbreiten und die gesamte Produktion beeinträchtigen, selbst noch 1-2 Wochen vor der Ernte, wenn alles noch ideal aussieht. Lesen Sie hier mehr über das Spritzen von Oliven mit Kupfer.
  6. Aufschieben der Ernte. Viele Hobbybauern glauben fälschlicherweise, dass „je später sie die Oliven ernten, desto besser“. Tatsächlich glauben sie, dass sich umso mehr Öl ansammelt, je länger die Frucht am Baum hängen bleibt. Die Ernte nach dem idealen Reifestadium der Frucht wirkt sich jedoch direkt negativ auf die Qualität des Produkts aus und erhöht nicht den Ölgehalt. Die Ernteverzögerung wirkt sich außerdem direkt auf die organoleptischen Eigenschaften des Olivenöls und seinen Nährwert aus. Mit zunehmender Reife der Früchte sinkt der Gehalt an bestimmten Stoffen, die als wesentliche Qualitätsfaktoren gelten, wie Aldehyde und Polyphenole. Die Probleme beschränken sich jedoch nicht nur auf die laufende Vegetationsperiode, sondern erstrecken sich in der Regel auch auf die nächste, wodurch das Phänomen der Alternanz verstärkt wird, und der Ertrag des nächsten Jahres sinkt.
  7. Gleichzeitiger Rückschnitt und Ernte. Aus Unkenntnis oder einfach nur, weil sie zwei Dinge auf einmal erledigen wollen, schneiden einige Olivenbauern Zweige mit einer beträchtlichen Menge an Olivenfrüchten ab, um sie durch eine auf dem Boden platzierte Trennmaschine zu führen. Diese Technik wird sich jedoch sehr schnell als verhängnisvoll erweisen. Wenn der Baum verletzt wird oder einen großen Teil seiner Vegetation verliert, leitet er automatisch Prozesse ein, um sie wiederherzustellen. Diese Prozesse erfordern in der Regel große Mengen an Energie. Unter solchen Bedingungen gibt der Baum dem vegetativen Wachstum Vorrang vor der Fruchtbildung. Außerdem hat der Olivenbaum in Jahren mit hohen Erträgen seine gesamte Energie auf die Früchte übertragen und dabei wertvolle Ressourcen verbraucht. Sobald wir die Oliven entfernen, wird der Baum seine Blätter nutzen, um durch Photosynthese Energie zurückzugewinnen und im nächsten Jahr mehr Früchte zu produzieren. Wenn wir in unserem Bemühen, die Oliven zu ernten, Zweige mit reicher Belaubung entfernen, verringern wir seine Photosynthesekapazität und damit die Produktion des nächsten Jahres.
  1. Informationen zum Olivenbaum
  2. Der Anbau von Olivenbäumen
  3. Sind Olivenfarmen rentabel?
  4. Alternanz beim Olivenbaum
  5. Vermehrung und Bestäubung von Olivenbäumen
  6. Klimatische Bedingungen für Olivenbäume – Temperaturanforderungen
  7. Bodenanforderungen für Olivenbäume
  8. Olivenbäume pflanzen
  9. Nährstoffbedarf von Olivenbäumen
  10. Wasserbedarf von Olivenbäumen
  11. Beschneiden von Olivenbäumen
  12. Oliven ernten
  13. Krankheiten und Schädlinge des Olivenbaums
  14. Fragen und Antworten zum Olivenbaum
  15. Bio-Olivenanbau
  16. 7 häufige Fehler im Olivenanbau
  17. Bodenmanagement im Olivenanbau
  18. 6 Fehler, welche die Qualität des Olivenöls mindern
  19. Olivenernte in Griechenland

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